Über uns

Heinrich Heine und Heinrich Mann, Victor Hugo, Nelly Sachs, Joseph Roth, Anna Seghers, John Steinbeck und Azis Nesin – Dichterinnen und Schriftsteller, die jeder kennt und doch die wenigsten wirklich gelesen haben – weit entrückt sind sie in ihrem Dichterhimmel. Das wollen wir ändern, sprachen Anfang der 1980er Jahre Kund*innen der Heinrich-Heine-Buchhandlung in Düsseldorf. So entstanden unsere literarischen Matineen, aus denen der Heinrich Heine Salon hervorgegangen ist.

Fünf bis sechsmal im Jahr, immer Sonntagvormittag, steht seit damals ein großer Name der Literatur auf dem Programm. Kein Proseminar, kein Volkshochschulkurs, keine Nachhilfestunde, sondern jedes Mal ein unterhaltsamer Streifzug durch das Leben und das Werk von MeisterInnen des Wortes und der Schrift.

Wir möchten den „Kleinen Prinzen“ genauso einem breiten (und zahlreichen) Publikum vorstellen wie die 32.000 Seiten des Karl Kraus, die philosophischen Texte einer Simone de Beauvoir ebenso wie die politischen Polemiken der Ulrike M. Meinhof. Wir möchten Interesse wecken und Lust machen auf weitere Lektüre der von uns Vorgestellten. Darüber hinaus präsentieren wir bestimmte Themen, wie etwa „Literatur und Musik“, „Literatur und Erotik“, „Geschichte des Blues“, „Literatur und Alkohol“ und vieles andere.

Heinrich Heine ist unser Namensgeber – seiner Spottlust, seinem Humor und seiner Respektlosigkeit fühlen wir uns verpflichtet, ohne ihm gänzlich zu verfallen.

Die Mitwirkenden für Text und Musik sind in der Regel Amateure im ursprünglichen Wortsinn. Es sind LiebhaberInnen der Literatur, die stets versuchen, auf dem Grat zwischen gut und gut gemeint die nötige Schwindelfreiheit zu bewahren. Eine Matinee dauert zwei Stunden und bietet neben den literarischen und musikalischen Genüssen ein kleines Frühstücksbuffett.

Neben den Matinees führen wir mehrmals im Jahr Abendveranstaltungen durch, so z. B. mit Heinrich Hannover, Inge Viett, Hermann Gremliza und Diether Posser.

Der Heinrich Heine Salon ist ein eingetragener Verein, und seine Ziele sind als gemeinnützig und damit steuerbegünstigt anerkannt. Die Arbeit wird ausschließlich ehrenamtlich geleistet. Finanziert wird sie aus Einnahmen aus den Veranstaltungen, aus Mitgliedsbeiträgen und aus Spenden. Für solche erhalten die SpenderInnen eine (steuerabzugsfähige) Bescheinigung. (Postbank Essen, Konto-Nr. 4387-437, BLZ 360 100 43).

Wir freuen uns über jedes neue Mitglied und über jede/n neue/n Mitstreiter/in sowie natürlich auch über Spenden jeder Größe.

Ihr Heinrich Heine Salon e. V.


Unser Vorstand: v.l.n.r Petra Litzau, Luzia Vorspel, Ida Münstermann
Fotografie: Tanja Junker

Wie alles begann

Inspiriert von Heinrich Heine:
Die literarischen Matineen des Heinrich Heine Salon e. V.

Es war die Idee zweier Buchhändlerinnen: Christa Domke und Ida Münstermann kamen 1984 in der damaligen Heinrich-Heine-Buchhandlung an der Ackerstraße auf den Gedanken, literarische Matineen mit Musik und Frühstück anzubieten. Vieles hat sich seither verändert, aber das Konzept funktioniert noch bestens.

Die ersten Matineen der Heinrich-Heine-Buchhandlung fanden in der Kantine des benachbarten Brücken-Verlages statt, der auf den Import von Büchern aus der DDR spezialisiert war. 120 Menschen fanden dort maximal Platz. Christa Domke erinnert sich an die Anfänge:

„Die erste Veranstaltung fand 1984 anlässlich des 100. Geburtstages von Lion Feuchtwanger statt. Der Publizist Mathias Jung stellte Leben und Werk des Autors vor, die Texte lasen die Buchhändlerinnen und weitere Literaturfreundinnen. Im Laufe der Jahre brachten wir viel Weltliteratur auf die „Bühne“ der Kantine des Brücken-Verlages, ob Maxim Gorki, Ephraim Lessing oder Dostojewski, sogar den Roman des Düsseldorfer Malers Adolf Uzarski „Möppi – Memoiren eines Hundes“ haben wir vorgestellt.

Als 1989 im November die Mauer fiel, dauerte es nur wenige Wochen, bis Buchhandlung und Verlag in Konkurs gingen. Wir saßen im Laden, die Regale waren leer geräumt und mit schwarzen Tüchern verhängt. Neben Ida und mir waren da: Jochen Rzaza, Peter Berkessel, Günter Domke, Udo Achten, das Ehepaar Fammler, Beatrix Wilms von der Buchhandlung BiBaBuZe und der Schauspieler Peter Thomas Heydrich. Von unseren Lieferanten und KundInnen hatten wir uns verabschiedet, und es stand die Frage im Raum: Wie geht es weiter? Schnell war klar: um Veranstaltungen wie die Matineen zu organisieren, benötigten wir keine Buchhandlung. Wir verfügten über die Adressen der BesucherInnen und wurden unterstützt von MitstreiterInnen, die weiterhin Leben und Werk von Autorinnen und Autoren vorstellen wollten. Über die Jahre hatten wir mit dem zakk als Mitveranstalter von Lesungen gute Erfahrungen gemacht. Somit lag es auf der Hand, wo die Matineen künftig fortgeführt werden konnten.

Und was macht der Deutsche, wenn mehr als sieben zusammensitzen? Er gründet einen Verein. Und der soll wie heißen? Heinrich Heine – schließlich fühlten wir uns seinem Namen verpflichtet, denn so hieß ja auch die Buchhandlung. Eine Heine-Gesellschaft gab es bereits, auch ein Institut. Peter Thomas Heydrich hatte die Idee: „Salon, da können wir eine gute Tradition fortsetzten.“ Im April 1990 wurden wir ins Vereinsregister eingetragen und somit waren wir der Heinrich Heine Salon e. V.

Im März 1990 fand die letzte Matinee in der Kantine des Brücken-Verlages statt. „Lerne lachen ohne zu weinen“ – Kurt Tucholsky vorgestellt von Peter Thomas Heydrich. Die Kantine des Brücken-Verlags war brechend voll, die Leute saßen sogar auf den Fensterbänken. Das Frühstücksbuffet war geplündert, es war 11 Uhr, und Ida und ich wurden langsam sehr nervös, weil der entscheidende Mann fehlte. Nach einigen hektischen Telefonaten war klar: Heydrich konnte nicht kommen, weil er auf dem Weg zu uns in einen Autounfall verwickelt worden war. Etwas Schlimmeres kann einem Veranstalter nicht passieren. Was also tun? Nachdem wir die schlechte Nachricht dem geduldig wartenden Publikum überbracht hatten, stand eine ältere Besucherin, Mathilde Beckers aus Garath (damals Anfang 80) auf und erklärte, dass die BesucherInnen ja auch mal selbst das Programm gestalten könnten. Dann begann sie, aus dem Kopf ein mehrstrophiges Gedicht von Erich Weinert zu rezitieren. Es war einfach unglaublich! Und auch andere Gäste trugen das eine und das andere vor, es war ein bunter Reigen, Spaß gemacht hat es uns allen.

Im Oktober 1990 war die Premiere im zakk: Fritz Hollstein präsentierte Christian Morgenstern, Peter Berkessel folgte mit Balzac. Im Februar 1991 zwangen uns die politischen Umstände dazu, ein anderes Programm als geplant in aller Eile quasi aus dem literarischen Boden zu stampfen. „Matinee gegen den Krieg“ nannten wir die Veranstaltung schlicht, denn im Irak brannten die Ölfelder, und der 1. Golfkrieg verunsicherte nicht nur die massenhaft demonstrierenden Schüler und Studierenden. Wir  trommelten unsere AktivistInnen zusammen, alle brachten reichlich kopierte Literatur mit. Wir besprachen die Auswahl der Texte, Helga Mangold und Olaf Cless rundeten das Programm musikalisch ab.  Über 200 BesucherInnen kam an diesem Sonntagvormittag ins zakk zu unserer Matinee.“

Soweit Christas Erinnerungen – und so ging es weiter: Jedes Jahr zwischen sechs und acht Matineen, dazu Lesungen, immer in Kooperation mit der Buchhandlung BiBaBuZe und dem zakk. Immer mit Frühstück und vor allem immer mit Musik. Und immer mit einem politischen Ansatz: antifaschistische AutorInnen wurden vorgestellt, auch solche, die ins Exil getrieben wurden wie Anna Seghers, Nelly Sachs oder Peter Weiß. Dazu SchriftstellerInnen der jüngeren Generation wie Christa Wolf oder Heiner Müller. Einige wichtige Künstlerinnen aus der DDR waren persönlich zu Gast im Heinrich Heine Salon, etwa die Schauspielerin Käthe Reichel, die noch mit Bertolt Brecht gearbeitet hatte oder Peter Sodann, der aus seinen Memoiren las, als er gerade Kandidat für den Posten des Bundespräsidenten war.

„Im Laufe der Jahre haben wir auch viele Themen Veranstaltungen entwickelt“, berichtet Christa Domke, „anfangen  mit „Traumreisen“. Diese führten mit Goethe nach Italien und mit Heine durch den Harz. Das Thema „Geld“ haben wir literarisch beleuchtet, uns 1994 einen Sonntagvormittag dem Blues gewidmet. Eine Matinee nannten wir „Der Geist aus der Flasche“ – so hieß im April 1997 eine Matinee über die tiefen Freuden gehaltvoller Getränke; denn nicht wenige Schriftsteller haben getrunken. Auch gab es Matineen zu den Themen „Widerstand gegen den Krieg“, „Deserteure, die heimlichen Kriegshelden“ und zur Bücherverbrennung 1965 in Düsseldorf.“

Dieses unrühmliche Ereignis hatte der Journalist und fiftyfifty-Kolumnist Olaf Cless aufgearbeitet, der unter anderem auch Georg Werth, Peter Maiwald und Dieter Forte vorgestellt hatte. Oder eine Matinee über Diderots Enzyklopädie: „Alphabet der Aufklärung“.  Wie so oft stand er dabei mit Ingrid und Dieter Süverkrüp auf der Bühne, dessen Bilder auch einer Matinee gewürdigt – und auf humorvolle Weise zum Sprechen gebracht wurden.

Der Heinrich Heine Salon hatte das Glück, dass ihm nicht nur das Publikum, sondern auch ein Kreis von wichtigen MitstreiterInnen über Jahre die Treue hält. Dazu gehören der Philosoph Werner Jocks, der sich zuletzt mit Bertolt Brecht und Hermann Kant beschäftigte, und Wulf Metzmacher, der spezielle Düsseldorfer Persönlichkeiten vorstellte wie Herbert Eulenberg oder Hermann Harry Schmitz. Achim Zielesny ist nicht nur als Revisor eine Stütze des Vereins, sondern der Professor für Bio- und Chemoinformatik brachte u.a. auch das Thema „Ist Intelligenz erblich?“ auf die Bühne des zakk. Ingeborg Nödingers Matinee über die scharfsinnig-witzige Autorin Irmgard Keun wurde wegen großen Erfolgs schon zweimal wiederholt, auch Clara Zetkin und Simone de Beauvoir kamen mehrfach zu Ehren. Diese und andere starke Frauen wurden von Florence Hervé präsentiert, die auch ihre Bücher, zuletzt „Wasserfrauen“, im Salon vorstellte.

Ein Star des Heinrich Heine Salons ist Rolf Becker. Der Schauspieler begeisterte zuletzt mit seiner Rezitation von Heinrich Heine und einem Programm über Karl Marx das Publikum. Unvergessen ist eine Rezitation von Mikis Theodorakis im Juni 2015, als er gemeinsam mit dem Musiker Gerhart Folkerts und der Sängerin Julia Schilinski auf der Bühne des vollbesetzten zakks stand. Überhaupt ist die Musik ein wichtiger Bestandteil unserer Matineen: regelmäßig wirkt Rainald Schückens mit Klarinette und Altsaxofon mit, ebenso die Schlagzeuger Mickey Neher und Peter Thomas.
Großen Dank an alle Mitstreiter, ohne die der Heinrich Heine Salon nicht existieren könnte: Christine Brinkmann, Heike Billhardt sowie die Techniker und „Frühstücksköche“ vom zakk, die Freunde von BiBaBuZe, eine Buchhandlung, die nicht einfach Bestseller abverkauft, sondern Wert legt auf ein erlesenes und handverlesenes Sortiment. Und so versteht sich auch der Heinrich Heine Salon: nicht um trendige Promis geht es uns, sondern um AutorInnen, die sich mit ihrem Werk den unheilvollen Entwicklungen entgegenstemmten und – stemmen.
Ein letzter großer Dank der Unterstützung unserer fast 100 Mitgliedern und dem Kulturamt Düsseldorf, das uns jedes Jahr einen Zuschuss gewährt.

Der Heinrich Heine Salon e. V.